Akute Belastungen, Trauma und Traumafolgestörungen
Im Laufe des Lebens gerät nahezu jeder Mensch in Situationen, die das seelische Gleichgewicht erheblich belasten können. Dazu gehören beispielsweise eine Trennung, der Verlust eines geliebten Menschen, eine schwere Erkrankung, ein Arbeitsplatzverlust oder andere einschneidende Veränderungen.
Solche Ereignisse können zu einer akuten Belastungsreaktion führen. Typische Reaktionen sind Ängste, Traurigkeit, innere Unruhe, Schlafstörungen, Überforderung oder das Gefühl, den Boden unter den Füssen verloren zu haben. Diese Reaktionen sind zunächst eine normale Antwort auf eine aussergewöhnliche Belastung und klingen bei vielen Menschen mit der Zeit wieder ab.
Davon zu unterscheiden ist ein Trauma. Trauma beschreibt nicht das belastende Ereignis selbst, sondern die Folgen einer überwältigenden oder langanhaltenden Belastung auf das Nervensystem. Gelingt es dem Organismus nicht, diese Erfahrungen ausreichend zu verarbeiten und zu integrieren, können langfristige Beschwerden entstehen.
Schocktrauma, Bindungs- und Entwicklungstrauma
Viele Menschen verbinden Trauma mit Unfällen, Gewalt, Naturkatastrophen oder anderen lebensbedrohlichen Ereignissen. Solche Schocktraumata können unter anderem zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen.
In meiner Praxis begegnen mir jedoch deutlich häufiger Menschen, die unter den Folgen eines Bindungs- oder Entwicklungstraumas leiden. Diese entstehen meist nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern entwickeln sich über viele Jahre. Wenn Kinder wiederholt emotionale Unsicherheit erleben, sich nicht ausreichend gesehen, geschützt oder verstanden fühlen oder ihre Bedürfnisse dauerhaft zurückstellen müssen, kann dies die Entwicklung des Nervensystems nachhaltig beeinflussen.
Viele Betroffene würden ihre Kindheit nicht als traumatisch bezeichnen. Erst die heutigen Beschwerden machen deutlich, dass frühe Beziehungserfahrungen Spuren hinterlassen haben können.
Traumafolgen zeigen sich oft im Alltag
In meiner Praxis beschäftigen wir uns deshalb nicht in erster Linie mit dem belastenden Ereignis, sondern mit den Folgen, die sich heute zeigen.
Dazu gehören beispielsweise:
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chronische innere Anspannung
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Ängste oder Panik
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Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation
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ein geringes Selbstwertgefühl
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Scham- und Schuldgefühle
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Verlustängste oder Schwierigkeiten in Beziehungen
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das Gefühl, nie wirklich zur Ruhe zu kommen
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emotionale Überforderung oder Rückzug
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körperliche Stresssymptome ohne ausreichende medizinische Erklärung
Sind diese Belastungen über viele Jahre entstanden, können sie sich später auch im Rahmen einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) zeigen. Typisch sind dabei Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, ein instabiles Selbstwertgefühl, chronische Anspannung und wiederkehrende Probleme in Beziehungen.
Wenn sich trotz Therapie wenig verändert
Viele meiner Klienten haben bereits eine oder mehrere Psychotherapien gemacht. Sie berichten häufig, dass sie sich dort gut aufgehoben gefühlt, wichtige Zusammenhänge verstanden und ihre Probleme besser einordnen konnten. Dennoch hat sich ihr Erleben im Alltag nur wenig verändert.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Bindungs- oder Entwicklungstrauma vorliegt. Es kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass die Ursachen der Beschwerden tiefer liegen und vor allem das Nervensystem sowie unbewusste Beziehungs- und Regulationsmuster betroffen sind. In solchen Fällen reicht ein rein kognitives Verstehen häufig nicht aus. Nachhaltige Veränderung entsteht meist erst dann, wenn das Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit machen kann.
Traumasensible Hypnosetherapie
In meiner Praxis behandle ich nicht das Trauma als Ereignis, sondern die Folgen, die belastende Erfahrungen im Nervensystem, im Erleben und in Beziehungen hinterlassen haben. Die therapeutische Beziehung bildet dabei die Grundlage der Behandlung. Nachhaltige Veränderung entsteht nicht allein durch Einsicht oder Hypnose, sondern vor allem durch das Erleben von Sicherheit, Verbundenheit und neuen Beziehungserfahrungen innerhalb einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung.
Meine therapeutische Arbeit verbindet traumasensible Hypnosetherapie mit aktuellen Erkenntnissen der Psychotraumatologie, der Bindungsforschung und der Nervensystemregulation. Nicht jede Therapie erfordert eine direkte Auseinandersetzung mit belastenden Erinnerungen. Häufig stehen zunächst die Stabilisierung und die Regulation des Nervensystems im Mittelpunkt. Erst wenn ausreichend Sicherheit entstanden ist, können belastende Erfahrungen, sofern dies überhaupt notwendig ist, behutsam integriert werden.
Hypnose nutze ich dabei als einen therapeutischen Bewusstseinszustand, der den Zugang zu inneren Ressourcen, Körperwahrnehmung und neuen emotionalen Erfahrungen erleichtern kann. Ziel der Therapie ist es, die Ursachen Ihrer heutigen Beschwerden besser zu verstehen, Ihr Nervensystem nachhaltig zu regulieren und wieder mehr innere Sicherheit, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
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Christian Zinner
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