Wut, Schuld und Scham
Warum diese Gefühle oft aus derselben Quelle stammen
In meiner Praxis arbeite ich mit Menschen, die oft schon viel verstanden haben. Und dennoch erleben sie, dass bestimmte innere Reaktionen bleiben. Nicht, weil sie sich zu wenig bemühen, sondern weil ihr Nervensystem weiterhin Schutz organisiert.
Viele Menschen kommen mit sehr unterschiedlichen Themen. Manche kämpfen mit Wut, andere mit starken Schuldgefühlen. Viele pendeln zwischen beidem. Was dabei häufig übersehen wird, ist der gemeinsame Hintergrund dieser Emotionen.
Wut und Schuld sind keine Gegensätze. Sie sind unterschiedliche Antworten auf dieselbe innere Ausgangslage.
Wut als Schutzreaktion
Wut wirkt nach aussen kraftvoll. Sie schafft Distanz, sie gibt Energie, sie vermittelt Handlungsfähigkeit. Für viele Menschen ist sie die einzige Möglichkeit, sich nicht klein oder ausgeliefert zu fühlen.
Diese Form der Wut entsteht häufig dort, wo frühe Bindungserfahrungen wenig Sicherheit boten. Wenn Nähe unberechenbar war, Grenzen nicht respektiert wurden oder eigene Bedürfnisse keinen Platz hatten, lernt das Nervensystem früh, dass Abwehr sicherer ist als Offenheit.
Wut schützt vor Ohnmacht und vor dem Gefühl, innerlich falsch zu sein. Kurzfristig kann das stabilisieren, langfristig führt es jedoch häufig zu Konflikten, Beziehungsspannungen und innerer Erschöpfung.
Schuld als Beziehungsstrategie
Andere Menschen reagieren nicht mit Wut, sondern mit Schuld. Sie übernehmen Verantwortung, auch dort, wo sie nicht hingehört. Sie stellen sich selbst infrage, bevor Beziehung gefährdet ist.
Gedanken wie Ich bin schuld, wenn es schwierig wird oder Ich darf keine Last sein sichern Beziehung durch Anpassung. Schuld wirkt verbindend, aber sie geht auf Kosten der eigenen Grenzen und des Selbstkontakts.
Auch diese Strategie ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine frühe Anpassungsleistung.
Scham als verbindendes Zentrum
So unterschiedlich Wut und Schuld erscheinen, sie schützen oft vor demselben inneren Erleben. Scham, die sich nicht auf ein Verhalten richtet, sondern auf das eigene Sein.
Nicht: Ich habe etwas falsch gemacht.
Sondern: Mit mir stimmt etwas nicht.
Wut verlagert dieses Gefühl nach aussen. Schuld richtet es nach innen. Beide Reaktionen waren einmal sinnvoll und wirken häufig weiter, auch wenn die ursprünglichen Bedingungen längst vorbei sind.
Die Scham-Schuld-Wippe
Viele Menschen leben innerlich auf einer ständigen Wippe. Entweder sie gehen in Abgrenzung und Ärger, oder sie ziehen sich zurück und übernehmen Schuld. Ruhe entsteht dabei kaum.
Das Nervensystem pendelt zwischen Spannung und Selbsthemmung. Diese Dynamik ist kein Charakterproblem, sondern Ausdruck eines Systems, das gelernt hat, Sicherheit entweder über Distanz oder über Anpassung herzustellen.
Abschluss
Wenn das Nervensystem nicht mehr zwischen Angriff und Anpassung pendeln muss, können sich Wut, Schuld und Scham neu ordnen.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, findest du auf meiner Webseite weitere Informationen zu meiner Arbeitsweise.
Rechtlicher Hinweis
Bitte beachte: Die Inhalte dieses Textes verstehen sich als Anregung zur Selbstreflexion und Selbsterfahrung. Sie ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Es wird kein Heilversprechen gegeben.
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Kontakt
Christian Zinner
Praxis für Hypnose & Hypnosetherapie
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